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== Einige Essentials des Informationsbegriffs, den HGG verwendet == [wiki:Archive_ox:08985.html (HGG, 23.2.05)] warnt vor einem dinglichen Informationsbegriff, der in der gesamten Debatte (und auch hier) ständig präsent ist. Ein solcher dinglicher Informationsbegriff, der diese vom Urheber der Information trennt, ist dem [#Informationismus Informationismus] zuzuordnen. -- ["HGG"] [wiki:/Literatur (Capurro-95, Kap. 5)]: "Ähnlich der Wertformanalyse, die Ware und Geld wesensmäßig als Wertformen erkennt, kann man nach dem Wesen fragen, welches sich in der Form "Information" verbirgt: Dieses Wesen ist die [#Relevanz Relevanz]." -- ["HGG"] == einleitende Überlegungen für die Auseinandersetzung mit dem Informationsbegriff (Stephan Eissler) == Am Anfang einer Auseinandersetzung mit dem Begriff der Information sollte meiner Meinung nach die Frage stehen: ["StephanEissler"] ===== Auf welche empirischen Entitäten / auf welche Typen von Bezugssysteme soll der Informationsbegriff bezogen werden? ===== '''Ausgangspunkt''' meiner Argumentation ist dabei vereinfacht gesagt die Feststellung, dass das, was für ein menschliches kognitives System eine Information darstellt, für ein digitales IKT-System oder eine Zelle keine oder doch zumindest eine qualitativ völlig andere Information, NIE aber dieselbe Information darstellt (Beispiel: Der Ausschnitt einer DNS kann für ein menschliches kognitives System eine Information darstellen jedoch qualitativ in VÖLLIG anderem Sinne und mit völlig anderen Konsequenzen, als dies für eine biologische Zelle der Fall ist). -- ["StephanEissler"] Hier wären die [#Abstraktionsstufen Abstraktionsstufen] zu berücksichtigen. -- ["HGG"] Daraus ergibt sich '''erstens''': Die Frage (a) ''ob'' etwas eine Information ist, und falls ja: (b) ''warum'' und ''auf welche Weise'' etwas eine Information ist, lässt sich nur mit Blick auf einen bestimmten Typus eines Bezugssystems sinnvoll beantworten. -- ["StephanEissler"] Daraus leitet sich aber auch '''zweitens''' ab, dass die Auseinandersetzung mit dem Begriff Information auf zwei grundsätzlich verschiedene Weisen geführt werden kann, die hier leider immer wieder durcheinander geraten: '''(1)''' Wir können uns fragen, was das gemeinsame ist, das Entitäten für die unterschiedlichsten Typen von Bezugssytemen (ob biologische Zelle oder digitales IKT-System oder ein menschliches kognitives System) zu einer Information macht. Nach [#10-Punkte-Liste (Fuchs-Kittowski, Punkt 6)] der "Zusammenhang von Form, Inhalt und Wirkung". -- ["HGG"] '''(2)''' Oder wir können uns fragen, auf welche Weise bestimmte Entitäten für einen bestimmten "Typus Bezugssystem" (etwa für menschliche kognitive Systeme) zu Information werden. -- ["StephanEissler"] Nach [#10-Punkte-Liste (Fuchs-Kittowski, Punkt 2)] als "Verhältnis von Form, Inhalt und Wirkung". -- ["HGG"] Nun drängt sich natürlich die Frage auf, ob ''beide'' Fragen in unserem Zusammenhang wichtig sind, oder ob nur eine der beiden Fragen relevant ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass für die Frage "Wissens- und/oder Informationsgesellschaft" ganz klar nur Punkt (2) von Bedeutung ist. -- ["StephanEissler"] Falls es hinsichtlich dieses Punktes gravierende Meinungsverschiedenheiten gibt, so wäre es für die weitere Diskussion meiner Meinung nach wichtig, die unterschiedlichen Positionen klar zu machen und aufzuarbeiten, denn dadurch, dass beide Fragedimensionen immer wieder durcheinander geworfen werden, kommt es leider immer wieder zu Missverständnissen und Konfusion. -- ["StephanEissler"] ===== Vorschlag: Das menschliche kognitive System und damit Wissen - als Bezugssystem ===== Nach dem, was ich oben kurz skizziert habe, ist die Frage ''"Was ist eine Information?"'' für sich alleine stehend in den meisten Fällen keine sinnvolle Fragestellung. Um dem jeweiligen Erkenntnisinteresse gerecht werden zu können, wird es vielmehr in den allermeisten Fällen notwendig sein zu fragen: [[BR]] '''(I)''' ''"Was ist für X eine Information?..."'' [wobei 'X' für ein Bezugssystem steht: entweder (a) für einen Bestimmten Typus eines Bezugssystems, wie eine biologische Zelle oder ein menschliches kognitives System, oder (b) für eine konkrete Ausprägung eines bestimmten Typus eines Bezugssystems im Vergleich zu einer anderen Ausprägung (so kann etwas, das für den ein menschliches kognitives System eine Information ist, für ein anderes keine Information sein)] [[BR]] '''(II)''' Ergänzt um die Frage ''"...Warum und auf welche Weise ist es eine Information für X?"'' -- ["StephanEissler"]] Wenn man dies nicht berücksichtigt, dann passieren beispielsweise solche Dinge, wie die obige Interpretation der bekannten Bateson-Formel "Information als der Unterschied, der einen Unterschied macht" durch ["HGG"], der hierzu erklärend ausführt: [[BR]] "Nach dieser Bestimmung gehören zu einer Information also '''zwei''' Unterschiede, die in einem engen Verhältnis zueinander stehen." Diese Aussage ist streng genommen keineswegs falsch jedoch (um hier die Metapher der mathematischen Gleichung zu benutzen) in einem solchen Maße unterbestimmt, dass sie heuristisch völlig wertlos bleibt. Vermutlich kam diese Formulierung zustande, weil hier ein Bezugssystem erst gar nicht mitgedacht wurde. -- ["StephanEissler"]] Sie kam vor allem deshalb zustande, weil es ein Kommentar zu einem Chunk war, in dem als Definition "Information = Daten, die einen Unterschied machen" versucht wurde. -- ["HGG"] Tatsächlich wurde nämlich in dieser Bateson-Formel von seinem Autor ganz bewusst eine Leerstelle gelassen, die sich im Grunde aber durch den Satz selbst erschließt: "Information als der Unterschied, der [für '''X'''] einen Unterschied macht" Daher wäre es wesentlich erhellender zu sagen: ''"Nach dieser Bestimmung ist eine Information ganz generell ein Unterschied, der für etwas einen Unterschied macht wobei 'etwas' noch offen lässt, ob für eine biologische Zelle, für einen Computer oder für ein menschliches kognitives System."'' Möchte man das Zitat ernst nehmen und nicht einfach so in eine Textlandschaft stellen, dann schließen sich an dieses Zitat zwingend die folgenden Fragen an: -- ["StephanEissler"] 1. Welcher Art ist der Unterschied* (der, der einen Unterschied** macht)? 2. Welcher Art ist der Unterschied **, der durch den Unterschied* gemacht wird? 3. Für WAS ist der Unterschied ** (der durch Unterschied* gemacht wird) überhaupt ein Unterschied? 4. Auf welche Weise macht der Unterschied* für etwas (also für X, siehe oben) einen Unterschied ** 5. Auf welche Weise wird X durch <<den Unterschied*, der einen Unterschied** macht>> (re-)produziert? (Gerade dieser letztgenannte Punkt ist der anspruchsvollste, der häufig unterschlagen wird) Die Fragen kannst du eins zu eins auf "Verhältnis von Form, Inhalt und Wirkung" runterbrechen, wenn du noch die Frage von ElCasi beantwortest, was ein [#Unterschied Unterschied] ist. Ich habe das Glossar mal um diesen Begriff ergänzt. Für mich ist allerdings noch immer die Frage, ob es nicht doch sinnvoller wäre, so was wie (Fuchs-Kittowski) zum Ausgangspunkt der Debatte zu nehmen und insbesondere zunächst zu versuchen, ob sich nicht in dessen Begrifflichkeit schon vieles wiederfindet, was du hier mühsam versuchst neu zu konstruieren. -- ["HGG"] ['''Anmerkung''': Diese Fragen kann ich wiederum von zwei grundverschiedenen und nicht aufeinander reduzierbaren Perspektiven versuchen zu beantworten: -- ["StephanEissler"] 1. Auf einer neurowissenschaftlichen- (ein Standpunkt den nur Dritte in Bezug auf ein konkretes kognitives System einnehmen können) und 2. auf einer phänomenologischen Ebene (ein Standpunkt, der nur vom eigene Bewusstsein auf der Grundlage subjektiver Erfahrung eingenommen werden kann). Auch wenn ich meine, dass es sich dabei um zwei grundverschiedene und nicht aufeinander reduzierbare Perspektiven handelt, so denke ich übrigens dennoch, dass es sich dabei um ''denselben'' Untersuchungsgegenstand handelt, mit dem man sich aus den beiden Perspektiven auseinandersetzen kann.] |
[wiki:Archive_ox:08985.html (HGG, 23.2.05)] warnt vor einem dinglichen Informationsbegriff, der in der gesamten Debatte ständig präsent sei. Jedoch ist bislang in der Debatte nicht klar geworden, was ein dinglicher Informationsbegriff eigentlich sein könnte. -- StefanMertenEdit [[DateTime(2005-08-27T12:08:42Z)]] In [wiki:Archive_ox:09584.html (Eissler, 2.8.05)] wird gefragt, auf welche empirischen Entitäten bzw. auf welche Typen von Bezugssysteme der Informationsbegriff bezogen werden soll. Es wird dafür plädiert, den Informationsbegriff immer als bezogen auf ein bestimmtes Bezugssystem zu sehen. Es wird deutlich gemacht, dass für unterschiedliche Bezugssysteme Informationen qualitativ völlig unterschiedlich sind und daraus völlig andere Konsequenzen für das jeweilige Bezuggsystem folgen. Dann wäre zu klären, was am Begriff Information für alle Bezugssysteme gleich ist, so dass überhaupt von einem einheitlichen Begriff gesprochen werden kann. Weiter könnte untersucht werden, wie etwas für ein bestimmtes Bezugssystem zu Information wird. -- StefanMertenEdit [[DateTime(2005-08-27T12:08:42Z)]] |
Contents
- Vorbemerkungen
- Einige grundlegende Aspekte der Debatte
- Glossar
- Autorität
- Bedeutung
- Bewertung
- Bewusstsein
- Daten
- Delikatheit
- Empfindung
- Erinnerung
- Erkenntnis
- Handlung
- Identität
- Identifizierung
- Ideologie
- Individuum
- Information
- Informationismus
- Informationssphäre
- Interpretation
- Interesse
- Kommunikation
- Kompetenz
- Lehre
- Lernen
- Meinung
- Messung
- Mitteilung
- Nutzen
- Parteilichkeit
- Pragmatik
- Relevanz
- Reputation
- Signal
- Semantik
- Symbol
- Syntax
- Szene
- Szenewissen
- Trieb
- Unterschied
- Urteil
- Verdrängung
- Verschleierung
- Verstehen
- Wahrheit
- Wahrnehmung
- Wahrnehmungsfähigkeit
- Wechselwirkung
- Wissen
- Wunsch
- Weitere Aspekte
Unterseiten:
| /Literatur /Talk |
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Vorbemerkungen
Die Debatte um den Begriffskomplex Wissen und Information tauchte in der Oekonux-Diskussion immer wieder auf. Einen expliziten Thread, der sich facettenreich mit diesem Komplex auseinander setzt wurde mit (StefanMn, 2.2.05) eröffnet. In ihm wurde die Frage gestellt, ob entweder der Begriff Wissensgesellschaft oder der Begriff Informationsgesellschaft im Sinne der Oekonux-Theoriebildung für eine kommende gesellschaftliche Formation verwendet werden sollte. Grundsätzliche Überlegungen zu "x-Gesellschaften" sind in (Eissler, 15.2.05) ausgeführt. -- StefanMerten
Heterogenität des Informationsbegriffs
Diese Fragestellung löste zunächst eine breite Diskussion über das zu Grunde liegende Begriffssystem aus. Schon zu Beginn der Debatte stellt (Meretz, 7.2.05) auch fest, dass die Begriffe schon vielfach belegt und heiß umstritten sind. Ein Aspekt, der sich auch in der Debatte vielfältig zeigte. -- StefanMerten
- Deshalb sollten wir Text-Chunks hier grundsätzlich absatzweise namentlich signieren, um die Zuordnung transparent zu machen. Ich habe damit schon mal begonnen. -- HGG
- Ich schieb' das mal nach Diskussion -- StefanMertenEdit 2005-08-26 05:52:16
Die hier in ein stimmiges Konzept zu bringenden Begriffe sind nicht nur umstritten, sondern sehr heterogen mit Inhalten belegt, siehe nicht zuletzt de.wikipedia:Wissen oder -- noch deutlicher -- de.wikipedia:Information. Diese Heterogenität ist auch Ausgangspunkt der erbitterten Kontroverse zwischen Philosophen und Informatikern, die in (Klemm) beschrieben ist. -- HGG
Allerdings wurde auch mehrfach darauf hingewiesen, dass es nicht erstes Ziel der Debatte sein kann, ein stimmiges, verbindliches Konzept überhaupt zu entwickeln. Unter anderem in (StefanMn, 16.8.05) wird argumentiert, dass die Debatte um Wissen und Information im Oekonux-Diskursrahmen die Begriffe mit einem neuen Inhalt füllen kann, der auf Grund der Interdisziplinarität von Oekonux den Streit z.B. zwischen Philosophen und Informatikern hinter sich lassen könnte. -- StefanMertenEdit 2005-08-26 06:45:06
Zur Quelle dieser Heterogenität
Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Information und Wissen als intersubjektive Kommunikationsformen, die Menschheit als Ganzes wesentlich konstituieren und in diesem Sinne letztlich nur als kollektive Phänomene von Menschsein zu begreifen sind, die Spitze einer jahrmillionenlangen Evolution der Ausdifferenzierung der Biosphäre und der Konstituierung einer Noosphäre sind. Mehr dazu bei (Klix-Lanius). -- HGG
In der Debatte wurde auch mehrfach betont, dass mindestens der Begriff der Information auch unabhängig von Menschen sinnvoll verwendet werden könnte (Begründung z.B. in (StefanMn, 24.8.05)). Mehrfach wurde der Begriff im Kontext mit biologischen (z.B. DNA) und technischen (z.B. Computer) Systemen verwendet. -- StefanMertenEdit 2005-08-26 17:40:32
Und schließlich ist zu berücksichtigen, dass über dieses Thema insbesondere Philosophen schon viele Hunderte von Jahren nachgedacht haben, eine Reihe von kurzschlüssigen Argumentationen also schlicht durch einen geeigneten Literaturhinweis in einen breiteren Kontext gestellt werden können, in dem deren Absurdität schnell deutlich wird. In dem Zusammenhang verweise ich auf -- HGG
- (Klemm) für eine historische Einbettung der heutigen Diskussion um den Informationsbegriff unter dem Aspekt der "Vielfalt der Informationsphänomene" (ausführlicher bei (Capurro-95))
(Fuchs-Kittowski) für eine Darstellung der Triadentheorie (Begriff - Bedeutung - Bewertung) im Kontext "kreativ lernender Organisationen"
Ein guter Teil der Debatte beschäftigt sich damit, die hier geschilderte Herangehensweise als unhistorisch und für eine Debatte im Oekonux-Projekt unangemessen zu kennzeichnen (z.B. [Archive_ox:09593.html (StefanMn, 11.8.05)]). Vielmehr müsse es darum gehen, die interdisziplinaren Möglichkeiten des Oekonux-Projekts mit den aktuell zu beobachtenden Phänomenen so zu verknüpfen, dass eine sinnvolle Antwort auf die Frage gegeben werden kann, ob eher der Begriff "Informationsgesellschaft" oder eher der Begriff "Wissensgesellschaft" für eine im Oekonux-Kontext als GPL-Gesellschaft bezeichnete Formation angemessen sei.
Einige grundlegende Aspekte der Debatte
Ein Ergebnis der Debatte ist, dass die beiden Begriffe Wissen und Information allein offensichtlich nicht ausreichen, um all die relevanten Phänomene auf diesem weiten und umkämpften Feld in den BeGriff zu kriegen. Es soll daher hier versucht werden, die unterschiedlichen Begriffe zu umreißen. -- StefanMerten
Erste Annäherung an den Informationsbegriff
Information wird in (StefanMn, 2.2.05) als Daten bezeichnet, die einen Unterschied machen. Dabei muss angegeben werden, hinsichtlich was sie den Unterschied machen.
- Das Zitat wird in (Fuchs-Kittowski, Kap. 1.3) Gregory Bateson zugeordnet und lautet: "Information als der Unterschied, der einen Unterschied macht". Nach dieser Bestimmung gehören zu einer Information also zwei Unterschiede, die in einem engen Verhältnis zueinander stehen. -- HGG
In der Debatte wird in (Eissler, 2.8.05) hierzu angemerkt, dass das Zitat nur dann wirklich Sinn macht, wenn das Bezugssytem, für den es einen Unterschied macht, mitgedacht wird. -- StefanMertenEdit 2005-08-26 17:40:32
(Seefeld, 2.2.05) nennt es interpretierte Daten. (Meretz, 13.2.05) gibt zu bedenken, dass Menschen immer schon in einem interpretierten Raum leben und daher uninterpretierte Information keinen Sinn macht.
Auch (Meretz, 7.2.05 geht davon aus, dass Informationen aufgenommen werden müssen. Dies kann durch Lebewesen geschehen. Als weitere Bezeichnung wird hier der Begriff der Bedeutung genannt, der eng mit Information zusammenhänge.
In (Eissler, 21.2.05) wird diese Sicht schließlich darauf verdichtet, dass Information immer Eigenleistung einer unterscheidenden Einheit ist und also nicht von Außen gegeben sein kann. Dort wird daraus gefolgert, dass für diese Debatte ein Informationsbegriff benötigt wird, der "technische Information" von "sozialer Information" trennt.
(ElCasi, 14.2.05) betrachtet Information als von Daten unabhängig, da Daten immer aktiv gemessen werden müssten und nicht einfach so anfielen.
(ElCasi, 14.2.05) fasst Information als Symbole auf, die einer Systematik angehören. Ein Formen-/Symbol-System wird in diesem Zusammenhang als Code bezeichnet, der in einer Syntax strukturiert ist.
Im Ergebnis der Diskussion wurde deutlich, dass in der ox-Debatte (wenigstens) zwei grundlegend verschiedene Informationsbegriffe verwendet werden, deren prototypische Vertreter HGG und StefanMerten sind. Gleiches gilt für den Wissensbegriff.
(HGG, 23.2.05) warnt vor einem dinglichen Informationsbegriff, der in der gesamten Debatte ständig präsent sei. Jedoch ist bislang in der Debatte nicht klar geworden, was ein dinglicher Informationsbegriff eigentlich sein könnte. -- StefanMertenEdit 2005-08-27 12:08:42
In (Eissler, 2.8.05) wird gefragt, auf welche empirischen Entitäten bzw. auf welche Typen von Bezugssysteme der Informationsbegriff bezogen werden soll. Es wird dafür plädiert, den Informationsbegriff immer als bezogen auf ein bestimmtes Bezugssystem zu sehen. Es wird deutlich gemacht, dass für unterschiedliche Bezugssysteme Informationen qualitativ völlig unterschiedlich sind und daraus völlig andere Konsequenzen für das jeweilige Bezuggsystem folgen. Dann wäre zu klären, was am Begriff Information für alle Bezugssysteme gleich ist, so dass überhaupt von einem einheitlichen Begriff gesprochen werden kann. Weiter könnte untersucht werden, wie etwas für ein bestimmtes Bezugssystem zu Information wird. -- StefanMertenEdit 2005-08-27 12:08:42
Eine erste Annäherung an den Wissensbegriff
Wissen wird in (StefanMn, 2.2.05) als notwendig an ein Subjekt, ein (lebendes) Individuum gebunden bezeichnet. In dieser Definition kann Wissen nicht direkt entäußert werden, da unauflöslich mit dem Subjekt verbunden. Wissensübertragung kann danach nur statt finden, wenn Information in irgend einer Form zwischen die Subjekte tritt.
(Meretz, 7.2.05) führt einen gesellschaftlichen Begriff von Wissen ein. Da nur Menschen Gesellschaften bildeten, ist dieser Begriff also auch auf Menschen beschränkt. Es wird argumentiert, dass Wissen historisch kumuliert wird, gesellschaftliche kumulierte Erfahrung bildet. Mittel für diese historische Kumulation ist eine Vergegenständlichung von Wissen.
- Um diesen Thread herum entwickelt sich eine Debatte, ob Wissen als "Erfahrungssschatz der Menschheit" und nur als gesellschaftliche Kategorie zu verstehen ist, eine nähere Bestimmung also überflüssig ist (HGG) oder der Begriff Wissen innerhalb der Oekonux-Debatte nur mit zusätzlichen Adjektiven wie z.B. "individuell" oder "gesellschaftlich" sinnvoll verwendet werden kann (StefanMn).
(Eissler, 21.2.05) hinterfragt diese Begriffsbildung kritisch und verweist darauf, dass es lediglich Syntax ist, die intergenerationell übermittelt werden kann.
Glossar
Autorität
Bedeutung
(Eissler, 21.2.05) weist darauf hin, dass Bedeutung nur in einem größeren Kontext existieren kann und von diesem abhängt. Insbesondere kann ein und dasselbe Symbol in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen haben.
(StefanMn, 6.6.05) bezieht den Gedanken der Kontextabhängigkeit von Bedeutung auch auf technische Systeme.
Bedeutung kommt als Begriff nach meinem Verständnis in zwei "Bedeutungen" vor -- HGG
- Bedeutung im engeren Sinne: Beziehung zwischen Syntax und Semantik, dem Zeichen und dem Bezeichneten wie oben
Bedeutung im weiteren Sinne: Form-Inhalt-Dualität auf jedem Paar benachbarter Ebenen des Stufenmodells; Syntax/Semantik -- für welche Inhalte stehen die Zeichen, Semantik/Pragmatik -- für welche Zwecke stehen die Inhalte, Pragmatik/Hermeneutik -- für welche Intentionen stehen die Zwecke
Bewertung
In (Dietz, 2.2.05) wird der Begriff der Bewertung eingeführt. Er bezeichnet dort den Vorgang, der aus Datenwüsten Informationsfluten macht. Dieser Vorgang kann auch maschinell ablaufen (z.B. durch Google).
Bewusstsein
Daten
Daten werden in (StefanMn, 2.2.05) als basalste Einheit bezeichnet und eng mit dem Begriff der Messung in Verbindung gebracht.
(StefanMn, 5.6.05) meint, dass es Daten in der unbelebten Natur mangels Sensoren nicht geben kann.
Delikatheit
Empfindung
Erinnerung
Erkenntnis
Handlung
Identität
Identifizierung
Ideologie
Individuum
Information
In der ox-Debatte werden zwei grundlegend verschiedene Informationsbegriffe verwendet. -- HGG
HGG orientiert sich an der 10-Punkte-Liste von Fuchs-Kittowski, nach der Information insbesondere ein Verhältnis von Form, Inhalt und Wirkung ist und weder materiell noch ideell, sondern die Verbindung von Ideellem und Materiellem dar- und herstellt. -- HGG
StefanMerten bezeichnet als Information "Daten, die einen Unterschied machen" (nicht autorisierte Version, aus der Debatte von HGG extrahiert). -- HGG
Informationismus
Informationssphäre
Interpretation
(Eissler, 21.2.05) beschränkt die Fähigkeit der Interpretation von Syntax auf den Menschen. Damit können Computer keine Informationen speichern und verarbeiten. Sie tun dies lediglich mit Symbolen.
(StefanMn, 6.6.05) hinterfragt dies kritisch. U.a. wird auch darauf hingewiesen, dass in Computern die Symbole grundsätzlich selbstreflexiv sind.
(Capurro-95, Kap. 5): spezielle Form individueller Arbeit (im Sinne des weiten Arbeitsbegriffs), deren Wesen als gesellschaftliche Arbeit in deren Relevanz liegt. -- HGG
Interesse
Kommunikation
Kompetenz
(HGG, 21.2.05) führt den Begriff der Kompetenz ein, der aus Wissen erwächst.
Lehre
Lernen
(ElCasi, 28.6.05) enthält ein paar Gedanken zum Begriff Lernen.
Meinung
Messung
Auch was eine Messung ist und wann davon gesprochen werden kann, war heiß debattiert. (Meretz, 7.2.05) reserviert Messungen ausschließlich den Menschen. In (Meretz, 8.2.05) wird "tierisches Messen" mit Wahrnehmung bezeichnet. (Meretz, 9.2.05) begründet dies damit, dass es sich bei einer Messung um einen intentionalen Akt handelt. Dies wird u.a. in (Seefeld, 9.2.05) kritisch hinterfragt.
(ElCasi, 9.2.05) richtet die Aufmerksamkeit bei Messungen nicht auf Messinstrumente, sondern auf die Maßstäbe und Maße. Ein Meßwert wird als eine Abbildung von irgend etwas auf einen Maßstab begriffen. (StefanMn, 5.6.05) versucht dies in die Abbildung einer (physikalischen) Größe in eine andere zu präzisieren.
(StefanMn, 5.6.05) führt als Voraussetzung für eine Messung den Begriff des Sensors ein. Als Sensoren werden in diesem Zusammenhang auch alle Sinnesorgane betrachtet. (StefanMn, 5.6.05) beschreibt Sensoren als Wandler einer physikalischen Größe in eine andere.
Mitteilung
Nutzen
Parteilichkeit
Pragmatik
Relevanz
Reputation
Signal
(Eissler, 21.2.05) versteht ein Signal als eine Differenz. Für kognitive System muss diese Differenz wahrgenommen werden können.
Semantik
Symbol
(Nahrada, 10.2.05) fasst Symbole als Abstraktion aus Erfahrungen.
(Eissler, 21.2.05) stellt fest, dass ein Signal verknüpft mit einer Bedeutung zu einem Symbol wird. Damit kann potentiell sehr viel zu einem Symbol werden.
Syntax
Szene
Abgrenzbare Vielheit von Menschen, die sich mit einem bestimmten Themenkreis so intensiv beschäftigen, dass sie Träger des gesellschaftlich verfügbaren Wissens (iSv HGG) zu diesem Themenkreis sind und als solche gesellschaftlich die Aufgabe der Reproduktion dieser Wissensteile tragen (Beispiele: Linux-Entwickler, Fachchemiker, GIMP-Entwickler, ...)
Szenewissen
Spezielle Wissensform im Kontext von Wissen (iSv HGG), die den akzeptierten "state of the art" einer Szene bezeichnet. -- HGG
Trieb
Unterschied
Urteil
Verdrängung
Verschleierung
Verstehen
(Eissler, 21.2.05 bezeichnet den Prozess der Aneignung von Wissen als Verstehen.
Wahrheit
Wahrnehmung
Wahrnehmungsfähigkeit
Wechselwirkung
(ElCasi, 9.2.05) führt den Begriff der Wechselwirkung ein, die nach der dort geäußerten These auch ohne Messung auskommt.
Während dort Wechselwirkung und Kommunikation als sehr verwandt gesehen wird, betont (StefanMn, 5.6.05) gerade die Notwendigkeit von Wechselwirkung für Kommunikation. Auch die Unterscheidbarkeit von Signal und Rauschen wird hier hervor gehoben.
Wissen
In der ox-Debatte wird der Wissensbegriff in zwei grundlegend verschiedenen Bedeutungen verwendet:
(Meretz, 7.2.05) führt einen gesellschaftlichen Begriff von Wissen ein. Da nur Menschen Gesellschaften bildeten, ist dieser Begriff also auch auf Menschen beschränkt. Es wird argumentiert, dass Wissen historisch kumuliert wird, gesellschaftliche kumulierte Erfahrung bildet. Mittel für diese historische Kumulation ist eine Vergegenständlichung von Wissen. Wissen in diesem Sinne ist insbesondere eine genuin gesellschaftliche Kategorie. Diese Position wird z.B. auch von HGG vertreten und ist in (Fuchs-Kittowski) weiter ausgearbeitet. -- HGG
Wunsch
Weitere Aspekte
Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und gesellschaftliche Veränderung
In (Eissler, 7.2.05) wird allgemein auf die große Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologie für Gesellschaftformen hingewiesen. Insbesondere sind auch epochale Umbrüche durch Veränderungen an diesen Technologien eingeleitet worden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Richtung einer solchen Veränderung - etwa in eine emanzipatorische Richtung - aber nicht vorgegeben ist. Dies wird an verschiedenen historischen Beispielen illustriert.
(StefanMn, 5.6.05) hinterfragt in diesem Zusammenhang, ob vor der Folie der Oekonux-Debatte die reine Verbreitung von - ggf. herrschaftskritischen - Inhalten das zentrale Element einer gesellschaftlichen Veränderung sein kann.
In (StefanMn, 5.6.05) wird versucht, die besondere Qualität einer neuen Gesellschaftform an den Informationen fest zu machen. Dies u.a. dadurch, dass Informationen heute historisch erstmals direkt operationalisierbar ist. Der Gedanke wird in (StefanMn, 20.7.05) nochmals formuliert.
- .. was in (HGG, 21.7.05) nochamls als informationistische Betrachtung kritisiert wird. -- HGG
Begriffe in ihrer historischen Genese
(Eissler, 21.2.05) befasst sich mit der Entstehung und dem heute üblichen Gebrauch der Begriffe Wissen und Information.
